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04.11.2014
Verstecken lasche Bilanzierungsregeln die Kapitalzerstrung?
Autor: Prof. Antal E. Fekete

Das historische Versagen, diesen Bewertungsgrundsatz zu erkennen
Ich erwarte eine Flut von Kritik, welche behauptet, dass es keinen solchen Bewertungsgrundsatz in der Buchhaltung gibt, weder in der Theorie noch in der Praxis. Ich bin kein Buchhalter und war noch nie im Bereich der Rechnungslegung ttig. Ich kann mich auch nicht erinnern, diesen Bewertungsgrundsatz in einem der Lehrbcher ber die Buchhaltung gesehen zu haben, die ich gelesen habe (obwohl die korrekte Bewertung der Aktiven in lteren Lehrbchern, die lngst von den Professoren der Rechnungslegung als veraltet verworfen worden sind, noch figuriert). Aber ich werde argumentieren, dass die heutigen Grundstze weder dem Geist, und schon gar nicht den Buchstaben der Buchhaltung von Luca Pacioli folgen. In diesem Fall machen die Akzeptanz eines Grundsatzes und die gleichzeitige Leugnung des anderen keinen Sinn. Jedes Argument, das den einen untersttzt, untersttzt auch den anderen: die korrekte Bewertung der Passiven ist ein Spiegelbild der korrekten Bewertung der Aktiven, der sich aus der logischen, perfekten Symmetrie zwischen Vermgenswerten und Verbindlichkeiten ergibt.
Einen dieser Grundstze zu ignorieren ist eine schwerwiegende Verletzung der gesunden Rechnungslegung mit fatalen Folgen.

Fallen die Zinsen ber einen lngeren Zeitraum, wie es in Japan seit ber fnfzehn Jahren der Fall ist, knnen die gegenwrtigen (meiner Meinung nach zutiefst fehlerhaften) Rechnungslegungs-vorschriften Verluste als Gewinne ausweisen. Kapitalverzehr/-zerstrung kann das Ergebnis sein, und bleibt unerkannt bis es zu spt ist. Banken und Produzenten wrden mit einem Phantomkapital arbeiten und letztlich daran zugrunde gehen. Dies knnte die nationale Wirtschaft in die Knie zwingen, Deflation oder gar Depression wren die Folge (was, wie es scheint, in Japan geschieht). Diese Depression scheint dummerweise durch die Yen-Carry-Trades ber den Pazifik in die Vereinigten Staaten eingeschleppt worden zu sein und wird auch noch von den beiden betroffenen Zentralbanken gefrdert.

Auch wenn der obengenannte Bewertungsgrundsatz seit Luca Pacioli noch nie in einen Buchfhrungscode geschrieben wurde, sollten wir immer noch nicht zum Schluss kommen, dass es dafr keine Rechtfertigung gibt. Ein berzeugendes Argument kann erklren, warum dieser Bewertungsgrundsatz bei den ehrlichen und kompetenten Buchhaltern in der Vergangenheit weder entdeckt und noch kodifiziert wurde: Seit Menschengedenken haben die Machthaber anhaltende Verzerrungen zugunsten der Schuldner untersttzt, ausgedrckt durch das Bestreben, den Zins auf Biegen und Brechen zu drcken. Vor dem Aufkommen der Offenmarktgeschfte der US-Notenbank in den 1920er Jahren blieben diese Anstrengungen allerdings ohne Folgen. In der Tat waren vor der Grndung der Notenbanken die Zinsen fr Kredite wegen der angeblichen Gier der Wucherer sehr hoch. Sie waren es aufgrund der Wuchergesetze an sich. Das Nehmen und das Zahlen von Zinsen war verboten, aber das Ergebnis waren nicht Nullzinsen fr Darlehen, wie es die Initiatoren der Wuchergesetze in naiver Weise erwartet hatten. Im Gegenteil, das Ergebnis waren noch hhere Zinsen als die, welche der freie Markt verlangt htte als Ausgleich fr die Risiken eines illegalen Geschfts. Aus diesen und anderen Grnden bestand das Problem nicht aus fallenden, sondern aus steigenden Zinsen. In einem solchen Umfeld wirken diese Bewertungsgrundstze nicht und werden leicht bersehen. Es ist schwer, einen Grundsatz zu entdecken, der sehr wohl existiert, sich aber in einem solchen Umfeld nicht manifestiert.
Die Situation nderte sich drastisch, als die Federal Reserve ihre illegalen Offenmarktgeschfte einfhrte, die spter durch eine rckwirkende Gesetzgebung legalisiert wurden.
Die Spekulanten sprangen eifrig auf den fahrenden Zug risikoloser Gewinne. Sie konnten leicht der FED beim Kauf der Anleihen zuvorkommen. Nachdem die US-Notenbank ihre Quote gekauft hatte, verkauften die Spekulanten die Anleihen und steckte die Gewinne ein. Das Resultat? Eine stetig fallende Zinsstruktur.
In der Tat war die Chance fr risikofreie Gewinne der Spekulanten aufgrund der Einfhrung von Offenmarktgeschften eine der Hauptursachen der Weltwirtschaftskrise. Doch bis heute nennen die Lehrbcher ber Wirtschaft die Offenmarktgeschfte als ein raffiniertes Werkzeug in den Hnden der Finanzbehrden, um die Wirtschaft anzukurbeln. Nur ein anderer Fehler der konomen bertrifft diesen noch in Ungeheuerlichkeit: die Lehrbcher schieben die Schuld der Weltwirtschaftskrise auf den Goldstandard.
Genau das Gegenteil ist wahr. Die Weltwirtschaftskrise wurde weitgehend von den Regierungen verursacht, die den Goldstandard sabotierten, um ihn zu Fall zu bringen, wie ich jetzt aufzeigen werde. Die Auswirkungen des anhaltenden Rckgangs der Zinsen in den 1930er Jahren wurden noch nie richtig erklrt.
Der einzige Konkurrent der Staatsanleihen, Gold, wurde damals durch Beschlagnahme und andere Massnahmen aus dem Markt gedrngt. Von dieser Konkurrenz befreit, begann der Wert der Staatsanleihen stetig zu steigen, so dass die Zinsen fielen, wodurch auch die Preise zu fallen begannen.
Die Grosse Depression war selbstverschuldet. In ihrem Eifer, den Goldstandard zu eliminieren, hatten die Regierungen das Hindernis entfernt, welches die Wirtschaft daran hinderte, ins schwarze Loch der Nullzinsen gesogen zu werden. Die Spekulanten verstanden schnell, dass dies auch das Ende der Obergrenze fr Anleihekurse bedeutete. Zum ersten Mal berhaupt gab es eine Gelegenheit, die Anleihekurse in den Himmel zu bieten. Die Spekulanten verliessen die risikobehafteten Rohstoffmrkte und strmten in Scharen in den Anleihemarkt, um zu risikolose Gewinne einzufahren, die durch die Offenmarktgeschfte generiert wurden. Man kann die Weltwirtschaftskrise nicht verstehen, ohne zu verstehen, wie die Spekulanten auf die Eliminierung des Wettbewerbs im Markt fr Staatsanleihen reagierten. Nur durch die Suche nach den Folgen der gewaltsamen Eliminierung des Goldes aus dem Finanzsystem kann der beispiellose Rckgang der Zinsen und die Weltwirtschaftskrise erklrt werden.

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