15.01.2013
Die Schweiz und die Währungskrise in Europa
Autor: Prof. Antal E. Fekete

Vorwort
Könnte die Schweiz in der gegenwärtigen beispiellosen Währungs- und Finanzkrise in Europa durch den erneuten Goldumlauf zur Stabilisierung der Währungen europäischer Staaten eine positive Rolle spielen? Immerhin ist der Schweizer Franken auch bedroht, weil ein Zusammenbruch des Euros die Schweizer Wirtschaft ebenfalls in Mitleidenschaft ziehen würde. Dazu müsste das Gold als monetäres Metall wieder eingeführt werden. Ich werde mich hierzu kurz fassen, denn wenn 300 Wörter nicht genügen, um diese Idee zu vermitteln, wären auch 300’000 vergebliche Mühe.

Die heutige Krise ist eine Schuldenkrise; eine Krise der unkontrollierbaren, exponentiellen Ausweitung der globalen Verschuldung, die im Jahr 1971 durch einen Beschluss Präsident Nixons ihren Anfang nahm. Die Weigerung der USA, ihre internationalen Schulden in Gold zu bedienen, machte damals den Dollar zum ersten Mal seit 37 Jahren uneinlösbar. Die Goldkrise begann im selben Jahr, als Milton Friedman die Idee von Keynes politisch schmackhaft machte, der feste Wechselkurs auf Goldbasis müsse zu Gunsten eines schwankenden Wechselkurses auf Dollar-Basis aufgegeben werden. Die offiziell gewollten variablen Wechselkurse wurden als Deckmantel benutzt, um die betrügerische Abwertung des US-Dollars zu vertuschen. Danach wurde die Beeinflussung von Leistungsbilanzen durch variable Wechselkurse zu einem unverzichtbaren Instrument der Geldpolitik auf internationaler Ebene. Das Stabilisierungsproblem der Währungen wurde durch deren Destabilisierung gelöst. Die Tatsache, dass variable Wechselkurse generell nach unten, zur Wertlosigkeit tendieren, wurde ignoriert, aber man braucht nur den Kaufkraftverlust aller Währungen seit 1971 zu verfolgen, um sie festzustellen.

Auf Friedmans Rat machte Nixon aus dem Laster eine Tugend und erhob den betrügerischen Dollar zur Weltwährung. Er tat dies in der irrigen Annahme, dass ein uneinlösbarer Dollar das Gold als ultimativen Schuldenlöscher ersetzen könne. Dies war ein Irrtum, wie sich jetzt herausstellt. Möglicherweise war es der grösste Fehler überhaupt in der Geschichte der Geldwirtschaft. Die Zahlung in US-Dollar löscht keine Schulden, sie werden nur auf die Bank übertragen, auf die der Wechsel gezogen ist. Wird jedoch mit Gold bezahlt, verschwinden die Schulden auf der Stelle, weil die insgesamt ausstehenden Schulden gleichzeitig um denselben Betrag reduziert werden.

1971 wurde das internationale Währungssystem abrupt seiner Fähigkeit beraubt, die Gesamtverschuldung zu reduzieren. Danach konnte die letztere nur noch wachsen, aber nie mehr schrumpfen. Die Ursache des Problems, dem wir heute gegenüberstehen, ist das Unvermögen, die uneinbringlichen Schulden zu löschen. Wir müssen unbedingt das Problem der geordneten Schuldenlöschung angehen. Keine Währungsreform kann gelingen, die nicht Gold und Silber rehabilitiert, so dass sie wieder das vollbringen können, was sie vor dem Wendepunkt im Jahr 1971 getan haben: unerwünschte Schulden zu löschen.

Friedmans Monetarismus
Friedman leitete seine falsche Vorstellung, dass variable Wechselkurse ein gültiger Ersatz für feste, auf Gold basierende Wechselkurse seien, von monetaristischen Prinzipien ab. Diese Idee ist nicht nur falsch, sondern auch unehrlich, ja geradezu selbstmörderisch. Friedman legt nahe, dass durch variable Wechselkurse die Handelsungleichgewichte automatisch korrigiert würden. Die Währung des Defizitlandes würde dadurch abgewertet und die des Überschusslandes aufgewertet. Die Einfuhr von Gütern würde für das erstere Land teurer und würde fallen, während die Einfuhr von Gütern für das letztere Land billiger wäre und steigen würde. Der Prozess würde sich so lange fortsetzen, bis das Gleichgewicht wiederhergestellt wäre.

Der Reiz dieser „Theorie“ ist offensichtlich. Sie beinhaltet jedoch einen verhängnisvollen Irrtum, der nicht korrigiert werden kann: sie ignoriert die Veränderungen der „Terms of Trade“, das heißt, den Umfang der Einfuhren, welche die Exporte finanzieren. Das abwertende Land erleidet immer eine Verschlechterung der „Terms of Trade“, während sich die des aufwertenden Landes verbessern. Anstatt die Handelsbilanz auszugleichen, vergrössern jedoch variable Wechselkurse die Ungleichgewichte nur. Die Vorteile des abwertenden Landes sind von kurzer Dauer, sie verpuffen ebenso schnell wie die Exporte, welche die Importe finanzieren. Danach muss das Defizitland mehr, und nicht weniger für die wesentlichen Waren bezahlen. Die Defizite werden dadurch grösser und nicht kleiner. In Wirklichkeit „verschleudert“ das abwertende Land seine Ressourcen ans Ausland. Die angeblichen Vorteile einer Abwertung sind also völlig illusorisch.

Die Geschichte selbst widerlegt diese Theorie: Die Vereinigten Staaten haben seit einem halben Jahrhundert ein Handelsdefizit mit Japan. Seit 1971 hat der Dollar gemäss der friedmanschen Doktrin dreifach gegenüber dem Yen abgewertet und die USA sind hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen und finanziellen Fähigkeiten verarmt. Japan hat davon auch nicht profitiert, da die überschüssigen Mittel auf Drängen der USA auch dort investiert wurden. Danach konnte Japan die angesammelten Überschüsse nicht ausgeben, ohne eine verheerende Krise im US-Anleihenmarkt auszulösen.
Es ist erstaunlich, dass kein einziger der Ökonomen, die für die unzähligen Denkfabriken auf der ganzen Welt arbeiten, vor diesem vorhersehbaren Ergebnis warnte und dass während 40 Jahren die verschiedenen Wirtschaftskapitäne nicht bemerkten, dass sie ihr Schiff direkt in den Eisberg steuerten.

Das Geheimnis des Goldes
Es gibt keine Schuldenmasse, die Gold nicht löschen könnte, vorausgesetzt, die Umlaufgeschwindigkeit des Goldes ist hoch genug. Eine schnellere Umlaufgeschwindigkeit des Goldes könnte auch die Finanzierung der immer grösser werdenden Handelsströme durch dieselbe Menge an Gold ermöglichen. Der berühmte Goldmangel ist in Wirklichkeit gar keiner: Offensichtlich wird Gold immer dann knapp, wenn das Vertrauen ins Papiergeldsystem schwindet.

Die gegenwärtigen Bemühungen, die Schuldenkrise zu lösen, sind zum vornherein zum Scheitern verurteilt, aller Rettungsaktionen und Rekapitalisierung der Banken zum Trotz, da die uneinbringlichen Schulden im System verbleiben und weiterhin den monetären „Blutkreislauf“ vergiften. Die uneinbringlichen Schulden den Staaten aufzubürden wie das heute geschieht, erschwert oder verunmöglicht sogar die Einziehung von Steuern und führt schussendlich zum Staatsbankrott. Um die uneinbringlichen Schulden zu löschen, brauchen wir die „goldenen Blutkörperchen“ im monetären „Blutkreislauf“, welche dieses „Gift“ gnadenlos verschlingen.

Was macht Gold zum ultimativen Schuldenlöscher? Laut Carl Menger (1840-1921), dem Begründer der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, besteht das Geheimnis des Goldes in seinem Grenznutzen. Tatsache ist, dass der Grenznutzen des Goldes langsamer sinkt als der aller anderen Anlageklassen. Verschiedene Arten von Vermögenswerten haben verschiedene Grenznutzen (was deren Wert darstellt). Alle nehmen ab, wenn auch mit verschiedenen Geschwindigkeiten. Mit anderen Worten, je näher der Sättigungspunkt rückt (der früher oder später erreicht wird), desto widerwilliger erwerben die Wirtschaftsakteure die respektiven Vermögenswerte. Beim Gold jedoch liegt dieser so weit entfernt, dass sein Sättigungspunkt praktisch nicht erreicht werden kann.

Warum Silber?
Das andere Geldmetall, dessen Grenznutzen langsamer als der jedes anderen Vermögenswertes sinkt (mit Ausnahme des Goldes), und auch die Vorzüge einer Währung und eines Schuldenlöschers besitzt, ist das Silber. Die bewusste Zerschlagung des Silberumlaufs von 1871 bis 73, zuerst durch Deutschland und dann durch die USA, war ein schwerer Fehler. Sie zerstörte in kurzer Zeit weltweit eine beispiellose Menge an Liquidität und leitete das Zeitalter der Deflation ein. Im Jahr 1935, als das letzte Silber-Bollwerk in China fiel, verlor das Silber am Gold gemessen 80 Prozent seines Wertes. Es ist daher nicht verwunderlich, dass der Goldstandard, der nach der Schliessung der Münzstätten für Silber entstand, einen deflationären Einfluss besass. Die Zerschlagung des Silberumlaufs lenkte die Nachfrage auf Gold und die Weltwirtschaft folgte dadurch einem deflationären Trend, welchen die Feinde des gesunden Geldes mit vollendeter Geschicklichkeit zu nutzen wussten. Sie argumentierten, dass Gold an sich deflationär sei, ungeachtet der Tatsache, dass in Wirklichkeit das Problem in der erhöhten Nachfrage nach Gold bestand, die durch die Beseitigung des monetären Silbers durch zwei Emporkömmlinge erzeugt worden war: Deutschland und die Vereinigten Staaten. Was die Sache noch frevlerischer machte: im Fall der Vereinigten Staaten war die Zerschlagung des Silberumlaufs dazu noch verfassungswidrig.

Das Horten von monetären Metallen
Das Horten von Gold und Silber ist weit davon entfernt, ein Makel zu sein. Es ist vielmehr ein wesentlicher Bestandteil der Wirtschaft, der die Verfügbarkeit (oder geringere Verfügbarkeit) von Kredit signalisiert. Der Zins ist eng an den Satz der marginalen Zeitpräferenz geknüpft. Wird der Zins unter diesen Satz gedrückt, verkauft der marginale Anleihegläubiger seine Anleihen (ein zukünftiges Gut) und investiert den Erlös in ein aktuelles Gut (Gold). Er wird die Anleihen wieder mit einem Gewinn zurückkaufen und das Gold verkaufen, sobald der Zins über dem Satz der marginalen Zeitpräferenzrate liegt. Das Horten von Gold ist also ein wesentlicher Teil des Mechanismus zum Regeln des Zinses.

Die Unterdrückung gültiger Marktsignale verheisst Ungemach. Eine steigende Goldhortung ist ein Misstrauensvotum ans Bankensystem und an die Regierung, welche die Zinsen zu stark drücken. Es ist das Horten, welches der Zeitpräferenz den Biss verleiht. Während es das Geldsystem gegen eine ungerechtfertigte Ausweitung der Kreditvergabe schützt, erleichtert das Enthorten immer dann die Kreditvergabe, wenn sich die Bedingungen verbessern und die Kreditaufnahme wieder gesundet.
Werden Gold und Silber aus dem Geldsystem eliminiert, so ist das Individuum hilflos und wird zum Opfer der lockeren Kreditpolitik der Banken und der Ausgabefreudigkeit der Regierungen. Die Signale der Wirtschaft werden kurzgeschlossen. Signalen wie dem Zins kann man in diesem Fall nicht mehr trauen. Die Kollateralschäden sind jedoch nicht unmittelbar. Die unerwünschten Folgen der falschen Signale machen sich erst nach einer Verzögerung von mehreren Jahrzehnten, vielleicht sogar nach einem halben Jahrhundert bemerkbar. Paradoxerweise ist eine dieser Folgen Deflation oder im akuten Fall sogar Depression. Durch die Abschaffung des monetären Goldes und Silbers verlor das Kreditsystem nicht nur die Kontrolle über die Quantität, sondern auch über die Qualität. Die Zahl der uneinbringlichen Schulden wird immer grösser.

Der Impuls, Gold zu horten, ist der verborgene Regelmechanismus des Zinses. Leider weigert sich die etablierte Wirtschaft, diese Tatsache anzuerkennen. Sie akzeptiert die Aussage der Federal Reserve, dass der Zins durch Offenmarktgeschäfte in den Anleihenmärkten manipuliert werden könne. Wir werden nun sehen, dass solche Aussagen die Existenz der Anleihe-Spekulanten, welche die Bemühungen der FED zunichte machen, einfach ignorieren. In der Tat werden Offenmarktgeschäfte immer durch Spekulanten durchkreuzt, die auf genau solche Gelegenheiten warten, um risikofreie Gewinne einzufahren.

Risikolose Gewinne bedeuten den Kurzschluss des Systems
Die Offenmarktgeschäfte der Zentralbank, die in den frühen 1920er Jahren populär wurden, sind nicht nur ineffizient, sondern auch kontraproduktiv. Offenmarktkäufe von Anleihen durch die Zentralbank sollen eine inflationäre Wirkung haben. Allerdings ist genau das Gegenteil der Fall. Die Wirkung ist stark deflationär, da sie die risikolose Spekulation auf die Hausse von Anleihen ermöglicht. Alles was der Spekulant zu tun hat, ist, der Zentralbank zuvorzukommen. Er kauft die Anleihen zuerst. Die Zentralbank ist dagegen machtlos. Sie muss die Anleihen zu einem höheren Preis kaufen und beschert so dem Spekulanten risikolose Gewinne.

In einem freien Markt ist ein risikofreier Gewinn, der gelegentlich auftreten kann, von kurzer Dauer und hat keine Folgen, denn gewiefte Spekulanten nutzen die Gelegenheiten sofort mit dem Ergebnis, dass die Möglichkeit, einen risikolosen Gewinn zu machen, auf der Stelle verschwindet. Das ist nicht mehr der Fall, wenn die Möglichkeit, einen risikolosen Gewinn zu machen, keine Ausnahme, sondern die Folge einer beabsichtigten und angekündigten offiziellen Politik ist und die Zentralbank in den Anleihemärkten Offenmarktkäufe von Anleihen vornimmt, um die Geldmenge regelmässig und fortlaufend zu erweitern, gemäss der „theoretischen Grundlage“ der Ökonomie von Keynes und Friedman. Es ist die schlechteste Geldpolitik zur Erhöhung der Geldmenge, die jemals ausgedacht wurde. Der „Federal Reserve Act“ von 1913 verbot eine solche Politik und verhängte schwere Strafen über die Federal Reserve-Banken, wenn ihre Bilanzen offenbarten, dass Staatsanleihen als Reserven für die Erstellung von Banknoten der Federal Reserve oder als Fed-Einlagen dienten. Eine Zeitlang nahm die Federal Reserve illegal Offenmarktkäufe von Staatsanleihen vor, wodurch ein Fait accompli geschafften wurde. Der amerikanische Kongress wurde auf diese Weise gezwungen, diese Praxis im Jahr 1935 durch eine Gesetzesänderung zu legalisieren.

Die Geldpolitik der Offenmarktgeschäfte ist kontraproduktiv. Sie ist verantwortlich für einen Grossteil des Schadens, welcher der Weltwirtschaft während der Großen Depression der 1930er Jahre zugefügt wurde und wie es auch heute wieder geschieht. Dies drückt sich im Scheitern der „Quantitativen Lockerung“ aus. Spekulative Käufe von Anleihen bewirken eine fallende Zins-Struktur, die wiederum einen Rückgang des Preisniveaus auslöst, der seinerseits in Kapitalerosion, Konkursen und schnell steigender Arbeitslosigkeit mündet. Solange die Zinsen fallen, halten die Unternehmer ihre Investitionen zurück.

Die Bedrohung der Währungsstabilität
Vor dem Aufkommen der Ideen von Keynes war die Währungsstabilität eine unabdingliche Aufgabe der Geldpolitik. Der konstante Wert der Währung ist eine Voraussetzung für den Fortschritt und eine florierende Wirtschaft. Währungsschwankungen rufen nicht nur große soziale Ungerechtigkeiten hervor, sondern sie behindern auch wirtschaftliche Voraussagen ungemein. Sie erschweren die rationelle Nutzung von Produktionsfaktoren und kappen den wesentlichen Zusammenhang zwischen Arbeit und Lohn. Die Folge dieser negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft sind offensichtlich: vorhandenes Kapital erodiert und die Anhäufung von neuem Kapital wird beeinträchtigt. Die Produktion sinkt. Währungsschwankungen sind in der Tat so zerstörerisch, dass es unverständlich ist, dass es 40 Jahre dauerte, bis man deren negativen Auswirkungen bemerkte. Die einzige Erklärung, warum dieses zerstörerische System beibehalten wurde, scheint das Monopol der Federal Reserve Banken zu sein, welche den Universitäten und anderen Denkfabriken die Forschungsagenda vorschreiben: jegliche Kritik an den Offenmarktgeschäften wird von den etablierten Wirtschaftsmedien im Keim erstickt.

Der Betrug an den arbeitenden Klassen
Vor 1930 war die Währungsstabilität allgemein garantiert. Dann wurde sie im Zuge der Revolution von Keynes auf den Abfall geworfen. Gewollte Inflation wurde zum ersten Mal salonfähig, vor allem durch den demagogischen Appell, dass die Inflation ein legitimes Mittel zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit sei und der Kredit ein perfekter Ersatz für Kapital. Allerdings handelt es sich hier um die Annahme, dass Arbeitnehmer und Gewerkschaften so dumm sind, dass sie immer nominale Lohnerhöhungen realen Lohnerhöhungen vorziehen. Die Geldtheorie von Keynes hat überhaupt nichts Positives für den Sozialstaat und die Lohnempfänger hervorgebracht.

Ein weiterer absurder Grundsatz der Theorie von Keynes besagt, dass Sparen keine notwendige Voraussetzung fürs Ausgeben darstellt. Vielmehr wird behauptet, dass in bestimmten Situationen Ausgaben benötigt werden, um die Wirtschaft anzukurbeln. Man sollte dies mit dem Ausspruch der österreichischen Schule vergleichen: Der einzige Weg, um Beschäftigung und Reallöhne auf Dauer zu erhöhen, ist die Vermehrung des pro Kopf gesparten Kapitals. Dieser Lehrsatz ist immer noch gültig. Der Rest sind Nebelkerzen, um die Lohnempfänger zu verwirren. In der Zwischenzeit bringt uns die gewollt inflationäre, von Keynes salonfähig gemachte Politik all die negativen Folgen einer Destabilisierung der Währung und der Zinsen, die Schwächung des Finanzsystems und die Verarmung der Lohnempfänger.
Ein weiteres gefährliches Dogma von Keynes ist der Ausspruch, dass es legitim für die Staaten sei, heimlich in der Bilanz Passiva auf die Aktivseite zu verschieben, gemäss dem Slogan „Von einer Tasche in die andere“. Dies ist eine bewusste Bilanzfälschung. Es bedeutet, den Kompass eines Schiffs in den Ozean zu werfen. Die Folgen dieser Torheit werden nicht sofort sichtbar, aber sie verdichten sich mit der Zeit zu einer drohenden Lawine.

Destabilisierende Zinssätze
Die heimtückischste Folge der Manipulation von Zinsen ist die Art, wie sie Kapitalerosion oder in dauerhaften Fällen, Kapitalzerstörung bewirken. Die überwiegende Mehrheit der Ökonomen betrachtet sinkende Zinsen als positiv. Jedoch sind nur niedrige und stabile Zinsen positiv für die Wirtschaft; sinkende Zinsen sind tödlich. Egal wie niedrig sie sind, Geschäftsleute zögern, Investitionen zu tätigen, solange die Zinsen fallen. Sie wollen nicht mit denjenigen konkurrieren müssen, die später investieren und den Vorteil von geringeren Finanzierungskosten auf ihrer Seite haben.

Die Zinsen waren während der letzten dreissig Jahre rückläufig. Praktisch alle Investitionen, die während dieser Zeit getätigt wurden, mussten als Verluste abgeschrieben werden. Wie hoch diese Verluste sind, wird klar, wenn wir die sichtbaren Folgen betrachten: die Auslöschung ganzer Industriezweige in den USA von der Schuhindustrie bis zur Produktion von TV-Geräten und noch viele mehr.

Die Zerstörung des Eigenkapitals der Banken ist Teil des gleichen Prozesses. Dies wurde durch die „kreative“ Buchhaltung der Banken verschleiert, welche von der Regierung begrüsst und begünstigt wird. Die Banken waren so in der Lage, routinemässig Vermögenswerte mit zu hohen Anschaffungs- und Marktwerten zu bilanzieren, während die Verbindlichkeiten mit zu niedrigen Verkaufswerten und Rückzahlungswerten gebucht wurden – das genaue Gegenteil einer ehrlichen Buchführung. Die Verzerrung, die durch diese Perversion verursacht wird, ist erschreckend. Die Banken wurden zahlungsunfähig und ihre Existenz hängt nun von den kontinuierlichen Kapitalspritzen der Regierungen ab. Schlechtes Management ist nur ein Teil des Problems. Das wahre Verbrechen ist die Geldpolitik, welche die Zinsen drückt. Ein besonders widerwärtiges Beispiel dieser Situation ist die jüngste Entscheidung, dass Verluste auf Staatsanleihen von den Banken der Europäischen Gemeinschaft nicht verbucht werden müssen.

Die Real-Bill-Doktrin (Goldwechsel) von Adam Smith
Die Banken sehen sich ebenfalls mit dem Problem der Qualität der Vermögenswerte konfrontiert. Vor dem Ersten Weltkrieg schrieben die Bankenrichtlinien vor, dass die einzigen diskontierbaren Vermögenswerte Gold oder Goldwechsel mit einem Verfall von 90 Tagen oder weniger waren. Anleihen, Aktien und Hypotheken waren nicht geeignet. Die Marktfähigkeit von Goldwechseln war besser, weil jeder in wenigen Wochen in Gold fällig wurde. Sie stellen einen selbst-liquidierenden Kredit dar, der aus dem Erlös des Verkaufs der zugrunde liegenden Waren beglichen wurde. Goldwechsel repräsentierten Waren, welche der Endverbraucher am dringendsten benötigte. Dazu gehörten Nahrung, Kleidung und Brennstoff, deren Nachfrage von den Jahreszeiten abhängt (was die Notwendigkeit zur Begrenzung des 90-tägigen Verfalls erklärt). Die Marktfähigkeit von Goldwechseln wird dadurch belegt, dass sie durch Indossament zirkulieren. Eine andere Möglichkeit für den Verkauf eines Goldwechsels ist der Diskont. Der Käufer zahlt nie den Nominalwert der Rechnung, sondern nur den diskontierten Wert der Anzahl der verbleibenden Tage bis zum Verfall. Der Zins hat jedoch nichts mit dem Diskontsatz zu tun. Ersterer ist durch die Sparneigung geregelt und letzterer paradoxerweise durch die Konsumneigung. In jedem Fall ist die Beziehung umgekehrt: Je höher die Konsumneigung, desto geringer der Satz.

Goldwechsel zirkulieren sogar völlig ausserhalb des Bankensystems. Ein solcher Umlauf wird spontan bei einem totalen Zusammenbruch des weltweiten Bankensystems entstehen. Das ist keine leere Drohung. Jedenfalls sind Goldwechsel die ertragreichste Anlage, die eine Handel- und Geschäftsbank besitzen kann. Die Nachfrage nach Wechseln, versehen mit drei guten Unterschriften – der des Exporteurs, der des Importeurs und der eines anerkannten Wechselnehmers, ist immer gross. Banken auf der ganzen Welt werden alles versuchen, um an selbst-liquidierende Kredite zu kommen.
Goldwechsel können jedoch nur funktionieren, wenn sie in Gold fällig werden und nicht in einer uneinlösbaren Währung. Eine uneinlösbare Banknote ist ein „Schuld-Dir-Nichts-Schein“ und kann nicht fällig werden.

Heutzutage ist es normal, Goldwechsel zu verunglimpfen und die Geldschöpfung der Banken durch das partielle Reservesystem durch spekulative Bankgeschäfte zu verschleiern (wobei die Banken selbst ihre Vermögenswerte auf Gold und auf in Gold fällige Goldwechsel beschränken). Es ist ein tragischer Fehler, den Umlauf von Goldwechseln als inflationär zu brandmarken. In der Tat steigt der Wert der Goldwechsel gemeinsam mit deren der Konsumgüter und sie verfallen zusammen mit deren Verschwinden durch den Konsum. Zu keinem Zeitpunkt kann es mehr Goldwechsel im Umlauf geben als Güter auf ihrem Weg zum Verbraucher.

Die Clearingstelle der Märkte im Mittelalter
Der Markt für Goldwechsel ist die Clearingstelle des Goldstandards. Es wäre undenkbar, alle Waren vom Erzeuger bis zum Verbraucher nur mit Goldmünzen zu finanzieren. Ein 100-prozentiger Goldstandard ist reine Phantasie. Gold ist einfach nicht in ausreichender Menge vorhanden, um alle Zahlungen der Wirtschaft in Gold zu ermöglichen. Selbst wenn es möglich wäre, der Goldstandard wäre ein Hemmnis für den technologischen Fortschritt. Jeder Fortschritt der Arbeitsteilung würde die Geldmenge unangemessen verringern.

Ein sinnvoller Vergleich sind die grossen mittelalterlichen Märkte wie die von Barcelona, Lyon, Leipzig und andere, wo Goldmünzen kein direktes Tauschmittel waren. Eine Variante der Goldwechsel waren dort Quittungen. Alle Käufe und Verkäufe am Markt wurden mit Quittungen vorgenommen, wodurch die Notwendigkeit für Goldmünzen entfiel. Für die Quittungen der Verkäufer konnte jedes auf der Messe angebotene Gut erworben werden. Am Ende des Markts wurden die Quittungen verrechnet und die Differenz zwischen verkauften und gekauften Waren bei der Verrechnungsstelle in Goldmünzen ausgezahlt. Es wäre nicht möglich gewesen, Märkte ohne solche Verrechnungsstellen zu organisieren und gute Geschäfte zu machen.

Warum 1925 Englands Rückkehr zum Goldstandard zum Scheitern verurteilt war
Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zerstörte den Markt für Goldwechsel und den internationalen Umlauf von Goldwechseln, als die Produktion für zivile Zwecke den Kriegsanstrengungen untergeordnet wurde. Nach dem Waffenstillstand im Jahre 1918 wurde den Goldwechseln das Comeback aus politischen Gründen verwehrt. Das Verbot des internationalen Umlaufs von Goldwechseln blieb auch nach 1925 wirksam, als Großbritannien zum Goldstandard zurückkehrte. Die siegreichen Entente-Mächte bevorzugten den bilateralen vor dem multilateralen Handel, um den Aussenhandel Deutschlands an die Leine zu nehmen. Sie begriffen nicht, dass der internationale Goldstandard ohne sein lebenswichtiges Organ, die Clearingstelle, mit anderen Worten, der internationale Markt für Goldwechsel, nicht lebensfähig war und dass der bilaterale Handel weit größere Goldreserven erfordert als der multilaterale Handel, über welche sie nicht verfügten. Deshalb verursachte der britische Goldstandard eine Deflation und scheiterte.
Die Krise begann im Jahr 1931 mit Grossbritannien, das den Goldstandard verliess und setzte sich 1933 fort, als die USA dessen Beispiel folgten. Im Jahr 1936 warfen Frankreich und die Schweiz, die letzten Bastionen des Goldstandards, das Handtuch. Die Depression wurde dem Goldstandard in die Schuhe geschoben und er wurde als deflationär deklariert. Die Wahrheit jedoch ist, dass nicht der Goldstandard deflationär war, sehr wohl aber das System des bilateralen Handels, dass die Briten wieder einzuführen versucht hatten. Der bilaterale im Vergleich mit dem multilateralen Handel ist wie eine Schubkarre neben einem Düsenflugzeug oder, um die Dinge beim Namen zu nennen, es ist ein reiner Tauschhandel, was von den Ökonomen der angelsächsischen Länder völlig übersehen wurde. Im Gegensatz dazu hatte der deutsche Ökonom Heinrich Rittershausen (1898-1984) ein viel besseres Verständnis der Funktion der Goldwechsel bei der Finanzierung des Welthandels. Er sagte voraus, dass es zum Wirtschaftszusammenbruch kommen würde, was dann tatsächlich auch im Jahr 1929 der Fall war.

Die Zerstörung des Lohnfonds
Rittershausen warnte ebenfalls, dass es durch die Zerstörung des Lohnfonds zu einer horrenden Welle weltweiter Arbeitslosigkeit kommen werde. Er verwies auf das Scheitern der siegreichen Entente-Mächte, den Markt für Goldwechsel nach dem Ersten Weltkrieg wieder zu erlauben. In ihrer Selbstüberschätzung ignorierten die Sieger die Tatsache, dass der Lohnfonds, aus dem die Arbeiter bis zu 91 Tage für die von ihnen produzierten Güter im voraus bezahlt wurden, ein Teil der angesammelten umlaufenden Goldwechsel war. Dieser Lohnfonds wurde unwissentlich in jenem Moment zerstört, als sich die siegreiche Entente entschied, die Finanzierung des Welthandels durch den Umlauf von Goldwechseln zu unterbinden. Danach gab es keine Mittel mehr, um den Arbeitslohn vorzuschiessen, dessen Produkte im Reife- und Entstehungsprozess von bis zu 91 Tagen nicht an den Endverbraucher verkauft werden konnten. Aber die Arbeiter und ihre Angehörigen mussten in der Zwischenzeit ernährt, bekleidet, besohlt und beherbergt sein. Sie konnten keine 3 Monate warten, bis die Waren an den endgültigen Verbraucher verkauft wurden. In Ermangelung eines Lohnfonds hatten die Arbeitgeber dann keine andere Wahl, als ihre Arbeiter zu entlassen.

Rittershausens Warnung wurde von den Politikern ignoriert und seine Botschaft wird es heute noch immer. Aber machen wir uns nichts vor – ohne den Markt der Goldwechsel wird die Welt vor einer neuen Welle der Arbeitslosigkeit stehen, die weit schlimmer sein wird als die in den 30er Jahren.

Prägt Gold und Silber!
Wir haben gesehen, dass ein Anstieg der Geschwindigkeit des Goldumlaufs die Beseitigung von uneinbringlichen Forderungen erleichtert und dass er auch die Überschuldung verhindern kann. Das Gegenteil ist ebenfalls der Fall: eine Abnahme der Geschwindigkeit des Goldumlaufs würde die Schuldenlöschung reduzieren und somit zur Überschuldung beitragen. Im Extremfall, wenn Gold überhaupt nicht zirkuliert ist wie heute, kommt die Schuldenlöschung zu einem kompletten Stillstand.
Daraus folgt, dass die Lösung des Schuldenproblems im erneuten Umlauf von Gold liegt. Das Gold muss aus den Tresoren geholt und umlauffähig gemacht werden. Dies kann durch Prägen von Goldstücken erfolgen. Die Menschen werden ihre gehorteten Goldschätze zur Prägeanstalt bringen, weil geprägtes Gold einen höheren Wert als andere Formen des Golds aufweist.

Es ist äußerst töricht, dass man inmitten der schwersten Finanzkrise der Geschichte dieses Sammelbecken aus flüssigem Vermögen in Form von Gold und Silber nicht nutzbar machen will. Die Wirksamkeit beider monetären Metalle würde stark erhöht, wenn sie in den Umlauf gebracht würden. Alle künstlichen Hindernisse für die Verbreitung von Kurantmünzen aus Gold und Silber sollten entfernt werden. Die Liquiditätsquellen Gold und Silber könnten durch die Prägung von Kurantmünzen aus Gold und Silber die Schuldenkrise bewältigen. Die Prägeanstalten sollten Gold und Silber wieder als gesetzliches Zahlungsmittel prägen lassen. Nach dem Erreichen des Sättigungspunkts würden Kurantmünzen aus Gold und Silber in den Umlauf gebracht.

Griechenland, Italien und andere Länder der Peripherie sind nicht bankrott, wenn man bedenkt, wie viel Gold und Silber sie in Umlauf bringen könnten, um uneinbringliche Schulden zu löschen. Sie müssten nur griechische und italienische Kurantmünzen aus Gold und Silber zirkulieren lassen. Andere Länder würden folgen. Die Schweiz könnte das Eis brechen. Sie könnte als erstes Land Kurantmünzen aus Gold und Silber prägen. Jedermann wäre dann in der Lage, sein Gold und Silber in Kurantmünzen mit genormten Gewicht und Feinheit in beliebiger Menge zu tauschen.

Lasst die Lateinische Münzunion wieder auferstehen!
Die Firma ECHTGELD AG in Bern in der Schweiz verkauft Rundbarren in Gold, die in Größe, Form und Feingoldgehalt die 10- und 20-Franken-Stücke der Lateinischen Münzunion (1865-1927) wieder aufleben lassen. Diese schönen Barren (2.9032 und 5.8064 Gramm) sind eine Erinnerung daran, dass Europa einst eine erfolgreiche Münzunion besass, die es den Mitgliedsländern erlaubte, für die Einfuhren mit ihren eigenen Kurantmünzen zu bezahlen, ohne verschiedene Währungen benutzen zu müssen. Touristen mussten nach dem Grenzübertritt keine Währungen umtauschen. Europa besass damals alle Vorteile, die den Euro zu bieten vorgibt und keiner dessen Nachteile. Unter der Lateinischen Münzunion erreichten der Welthandel und der internationale Tourismus damals eine bisher unerreichte Blüte und setzten Rekorde, die mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem Ersten Weltkrieg nicht übertroffen wurden. Die Kurantmünzen der Lateinischen Währungsunion erleichterten die Kapitalströme von einem Land zum anderen, ohne Fliehkräfte zu erzeugen, welche die Münzunion auseinander zu reissen drohten. Die Trennung von Geld- und Fiskalpolitik war kein Problem, da die Geldpolitik nicht politisiert war. Sie hatte nur ein Ziel: Den Wert der Währung zu erhalten. Die Regierungen durften damals die Geldpolitik nicht dazu nutzen, um die Löcher in ihren Bilanzen zu stopfen wie sie es heute tun.

Der Euro hatte das löbliche Ziel, die idyllischen Verhältnisse vor dem Ersten Weltkrieg und die glücklichen Tage der Lateinischen Münzunion wieder herzustellen, deren die Schweiz eines der Gründungsmitglieder war. Allerdings erlitt der Euro Schiffbruch auf dem Riff der unterschiedlichen Fiskalpolitik der Mitgliedsländer. Vor der Einführung des Euros konnte die Geldpolitik dazu verwendet werden, um Löcher in den Bilanzen der Regierungen zu stopfen. Nachdem der Euro als gemeinsame Währung im Jahr 2000 eingeführt worden war, war das jedoch nicht mehr möglich

Wie konnte die Lateinische Münzunion diese Falle vermeiden? Nun, sie besass etwas, das Euroland nicht besitzt: den Goldumlauf, den ultimativen Schuldenlöscher. Das Euroland ist keine tragfähige Währungsunion, weil ihre Mitgliedstaaten mit unterschiedlicher Geschwindigkeit Schulden erzeugen. Sind jedoch Schulden einmal erzeugt, verbleiben sie für immer im System und niemand ist mehr dafür verantwortlich. Die kollektivistischen Prinzipien der einzelnen EU-Mitglieder erstrecken sich nur auf den Nutzen, den sie aus der Union ziehen, nicht jedoch auf die damit einhergehenden Verpflichtungen. Die vorherrschende Meinung besagt, dass die Defizitfinanzierung ein Geburtsrecht souveräner Staaten sei, während sie die Existenz von „Staatsschulden“ verweigern. Sind jedoch die Schulden einmal da, trägt die Verantwortung dafür die Union.

In der Lateinischen Währungsunion waren diese kollektivistischen Prinzipien unbekannt und nicht akzeptabel. Es gab die Schuldenlöschung in grossem Umfang. Staaten, welche Schulden nicht termingerecht zurückzahlten wurden bestraft. Sie verloren Gold.

Die Lateinische Münzunion besass auch Kurantmünzen aus Silber für kleinere Zahlungen von 1, 2 und 5 Franken. Die frei konvertiblen Goldfranken konnten zu einem festen Wechselkurs umgetauscht werden. Es wäre besser gewesen, die Silbermünzen ¼, ½ und 1 Taler zu nennen und ihren Wert in Bezug auf die Goldfranken schwanken zu lassen. Das feste Umtauschverhältnis zwischen Gold und Silber jedoch bewirkte 1926 den Zerfall der Lateinischen Münzunion. Durch den raschen Fall des Silberpreises war sie gezwungen, die Prägungen von Kurantmünzen aus Silber einzustellen, nachdem Deutschland und die Vereinigten Staaten das Metall in den frühen 1870er Jahren den Silberumlauf unterbanden. Als im Jahr 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, war die Union gezwungen, auch die Prägung von Kurantmünzen aus Gold einzustellen.

Die Schweiz könnten den Weg zur lateinischen Münzunion wieder öffnen
Die Schweiz sollte der Vorreiter der Wiederauferstehung der Lateinischen Münzunion werden. Sie sollte frei einlösbare Goldfranken prägen sowie Silbertaler ohne Münzregal. Im Gegensatz zum Euro, der in Anlehnung an den Dollar als uneinlösbar erschaffen wurde, wäre der Schweizer Franken eine einlösbare Währung. Die Schweiz könnte ihre ehemaligen Partner der Lateinischen Münzunion dazu bewegen, diesem Beispiel zu folgen und die Prägung von Kurantmünzen aus Gold und Silber wieder aufzunehmen. Nachdem sie den Wert ihrer Währungen an Gold gebunden hätten, wäre die Währungsstabilität im Euroland zum ersten Mal seit 1971 wieder hergestellt. Die würde die Wirtschaft, den Handel und die Investitionen in Europa wie durch ein Wunder wiederbeleben.

Es wäre falsch, einen bestimmten Goldpreis gegen Euro festzulegen. Die beiden Währungen, der Gold-Franken und der Papier-Euro, könnten mit einem vom Markt bestimmten Wechselkurs gleichzeitig zirkulieren. Die beste Währung sollte gewinnen, und die Menschen sollten die Schiedsrichter sein! Sollten die Menschen den uneinlösbaren Papier-Euro bevorzugen, dann sollten sie ihn behalten und den Goldfranken vergessen. Aber wenn sie eine Währung wollen, welche Schulden löscht, dann sollten sie den Goldfranken behalten und den Papier-Euro verwerfen.

Die Refinanzierung von Staatsschulden durch goldgebundene Schulden
Dies wäre die Lösung für Europas Problem der Staatsverschuldung. Jeder Staat mit Euro-Währung könnte seine Schulden in Goldfranken refinanzieren. Die Refinanzierung würde in Form des Tausches von Eurobonds in goldgebundene Anleihen erfolgen. Goldgebundene Anleihen würden monatlich versteigert, bis keine Eurobonds mehr zur Refinanzierung angeboten würden. Die Zinsen der noch ausstehenden Eurobonds würden jedoch in Euros bezahlt wie vorgesehen.

Staaten mit Euro-Währung würden einen Gold-Ertrag erwirtschaften. Sie bräuchten das Gold, um die Zinsen ihrer Schuldtitel zu bezahlen und zur Rückzahlung von goldgebundenen Anleihen. Hier sind drei Möglichkeiten für einen Staat, Gold-Einnahmen zu generieren.

1. Er könnte ein Münzregal auf die Prägung von Kurantmünzen aus Gold einführen, das in Abzug gebracht wird, sobald die Staatsschulden zurückgezahlt werden.

2. Er könnte Zölle und Gebrauchssteuern auf Gold erheben. Dies taten die den nördlichen Staaten der USA während des Bürgerkriegs in den 1860er Jahren und danach während der Zahlung ihrer goldgebundenen Schulden, als die Währung der uneinlösbare Dollar war.

3. Er könnte Grundsteuern in Gold erheben, einschließlich derjenigen auf selbstgenutztes Wohneigentum.

Man mag dagegen vorbringen, solche Abgaben seien rückschrittlich. Diejenigen, die kein Gold besitzen, würden nicht in der Lage sein, sie zu bezahlen. Das ist jedoch nur scheinbar so. Die Tatsache, dass die meisten Menschen kein Gold besitzen und deshalb auch keine Waren eingeführt werden können, ist ein versteckter Vorteil. Es würde zu Rückführung von Industrien führen, die das Land verliessen, als durch die Abwertung der Währung Arbeitsplätze anstelle von Waren exportiert wurden. Darüber hinaus würde die Rückführung dieser Industrien die Arbeitslosigkeit bekämpfen.

Es wird jedoch eine Reihe von Menschen geben, die importierte Waren kaufen wollen. Die Bezahlung dieser Warensteuern in Gold wird die Gold-Einnahmen der Regierung erhöhen und letztlich dazu beitragen, die goldgebundenen Staatsschulden zu löschen.

Auch die Tatsache, dass die meisten Menschen kein Gold und kein Eigenheim besitzen, kann positiv sein. Es würde den Mietmarkt unterstützen. Wenn dies zu Neubauten führt, umso besser. Dann würde es auch die Arbeitslosigkeit senken.

Es wird jedoch eine Reihe von Menschen geben, die in ihrem eigenen Heim leben wollen. Die Bezahlung ihrer Steuern in Gold wird die Gold-Einnahmen der Regierung erhöhen und dazu beitragen, die goldgebundenen Staatsschulden zu löschen.

Die positive Rolle, welche die Schweiz spielen könnte
Es gibt viele Arten von geldpolitischen Instrumenten, die sich als Ersatz für Gold ausgeben: Gold-Futures, Gold-Optionen auf Gold-Futures, Gold-Swaps und Gold ETFs. Ebenso allgegenwärtig sind die Institutionen, die, meist ungeregelt, diese Flut von Papiergold handeln.

Aber es gibt eine Menge von Produkten, welche nicht gehandelt werden: goldgebundene Anleihen, Metall-Konten von Goldlagerstätten, welche Einkommen in Gold generieren, Gold-Lebensversicherungen, Gold-Rentenversicherungen und Goldwechsel. Dennoch waren diese ans physische Gold gebundenen Instrumente das Rückgrat der Wirtschaft nicht nur im 19. Jahrhundert, sondern auch viel früher. Die Grundlagen unseres heutigen Wohlstands wurden in damals mit Hilfe der oben genannten „Goldprodukte“ gelegt. Gold lehrt die Menschen die Tugend der Sparsamkeit.

Der virtuelle Handel mit Papiergold wird wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrechen, wenn seine Dreh- und Angelpunkte, die Gold-Futures-Märkte, aufhören zu existieren. Ein solcher Zusammenbruch ist unvermeidlich in Anbetracht dessen, was wir über den Basiswert Gold wissen: verschwindet der Report, besteht die Gefahr eines dauerhaften Deports von Gold (inverser Markt).

Es ist kein Zufall, dass die Institutionen, welche den Handel in Papiergold betreiben, florieren, während es keine Institutionen gibt, die mit physischem Gold handeln, weil die letzteren durch eine ausufernde Bürokratie daran gehindert werden. Die heutige Doktrin besagt, dass Gold verbunden mit Finanzierung unverantwortlich sei und mit allen verfügbaren Mitteln unterbunden werden müsse.

Die Wahrheit ist jedoch, dass vor 1971 das Gold seit mindestens 3’000 Jahren der Anker der wirtschaftlichen Werte war. Nur während der letzten 40 Jahre war es das Ziel des konzentrierten Angriffs der etablierten Wirtschaft. Wer heute sagt, Gold könne einen verlässlichen Ertrag in Gold generieren, wird als Ketzer gebrandmarkt. Die handfesten Interessen der Papiergoldhändler verhindern den Aufbau von Goldbanken. Eines der Dogmen dieser Religion besagt, Gold sei eine spekulative Ware, die von der Hochfinanz und der Schaffung von Geld fern gehalten werden muss.

Im Streit zwischen den Papiergoldhändlern und jenen Geschäftsleuten, welche die Goldbindung als Eckpfeiler der wirtschaftlichen Stabilität zu errichten versuchen, sollte die Schweiz nicht Partei ergreifen, sie sollte nur das Spielfeld zur Verfügung stellen.

Die Schweiz sollte auf der Grundlage der früheren Märkte für goldgebundene Anleihen einen solchen Markt, die Quelle des Friedens und des Fortschritts, ermöglichen.

Leider ist dies heute noch nicht möglich. Damit ein Unternehmen eine Lizenz für den Handel mit goldgebundenen Anleihen erhält, müsste es endlose bürokratische Hürden überwinden, während die Lizenzierung eines neuen Gold-ETF ein Spaziergang darstellt.

Die politische Kontrolle ist kein Problem. Der Handel mit goldgebundenen Anleihen ist ein offenes Buch für jedermann. Im Gegensatz dazu ist keine Vorschrift in der Lage, krumme Geschäfte im Futures-Trading zu verhindern, wie das Beispiel der jüngsten Zusammenbruch des MF Global zeigt.

Der Vorwurf, Gold sei wegen seiner stark schwankenden Preise unzuverlässig, ist unsinnig. Die Volatilität des Goldpreises ist kein Spiegelbild des Werts des Goldes, sondern der Papierwährungen, deren Preis in Gold ausgedrückt ist.

Gold ist Gold, und Papier ist Papier. Man muss einer Goldmünze oder einem Goldbarren nicht trauen, wenn man der Regierung oder der Bank nicht traut, die sie geprägt haben. Aber echtes Gold kann immer gewogen und dem Säuretest unterworfen werden.

Alles, was wir über die Refinanzierung europäischer Staatsschulden gesagt haben, hängt von einem funktionierenden Markt für goldgebundene Anleihen ab. Zur Lösung der Krise müssen vorrangig solche Anleihen eingeführt werden. Hier könnte die Schweiz ihren grössten positiven Beitrag leisten: als Heimat des neuen Marktes für goldgebundene Anleihen, welche die Welt so dringend benötigt.

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