01.01.2009
Respekt vor der Geschichte
Autor: Hermann Meyer ( 1873 ‚Äď 1940)

Respekt vor der Geschichte - Was wir von unseren Urvätern lernen könnten

Ausz√ľge aus ‚ÄěDas Schweizerische Geldwesen‚Äú aus dem Jahre 1929
(Wirtschaftlich Publikationen der Z√ľricher Handelskammer)

Vorwort
Es ist noch nicht lange her, dass Entwertung und Zusammenbruch der Valuten ringsum auch in unserem Lande tiefen Eindruck gemacht, ja √ľber weite Bev√∂lkerungskreise schweres Ungemach gebracht haben. Wir leben schnell und haben f√ľr wirtschaftliche Ereignisse zumeist ein kurzes Ged√§chtnis; ist eine noch so heftige St√∂rung ann√§hernd vorbei, so nimmt wieder Neues unser Sinnen in Anspruch. Man k√∂nnte sich daher f√ľglich fragen, ob heute das in ruhigere Bahnen gelangte Geldwesen als Gegenstand einl√§sslicher Er√∂rterungen auch ausserhalb der Fachkreise noch interessiere. Nun kommt uns aber ein √§usserer Umstand zustatten. Unser Geldwesen ist neu zu ordnen, und als Staatsb√ľrger haben wir uns darum zu k√ľmmern. Die nachstehenden Darlegungen sollen denn auch vornehmlich der praktischen Orientierung dienen; theoretische Er√∂rterungen treten m√∂glichst zur√ľck. Nirgends mehr als bei der Besprechung von Geldfragen empfiehlt sich zur Vermeidung von Unklarheiten und Missverst√§ndnis der stete Hinweis auf die Tatsachen, auf die wirklichen Einrichtungen und Verh√§ltnisse. Von dieser Auffassung geleitet, bestrebt sich unsere Studie unter Heraushebung der bedeutsamsten Erfahrungen der Praxis zu zeigen, wie unser Geldwesen in der Zeit vor dem Weltkrieg und hernach beschaffen gewesen, wie es sich bew√§hrt hat und wohin die Erfahrungen weisen.

Z√ľrich, im November 1929

Goldumlaufswährung als Endziel
Die Goldumlaufsw√§hrung als Endziel neuzeitlicher W√§hrungsreform erfreut sich durchaus nicht des Beifalls aller Welt. Ausl√§ndische Theoretiker und Bankfachleute von Ruf legen heute dem Golde zur Last, dass es der Wirtschaft je l√§nger desto weniger gen√ľge. Das Gold sei zu knapp f√ľr den Bedarf der Zentralnotenbanken, es sei vollends zu knapp zur Abgabe an den gew√∂hnlichen Verkehr, weshalb denn auch die meisten neuen Gesetzgebungen den Goldumlauf grunds√§tzlich ausschl√∂ssen. Diese Lehre von dem zu knappen Gold scheint auf den ersten Blick wohl begr√ľndet. Tats√§chlich ist der Verkehr w√§hrend des Krieges vollst√§ndig entgoldet worden, und infolge der Kriegsverschuldung ist Gold in Menge von Europa nach den Vereinigten Staaten abgeflossen. Daher die sehr einseitige Verteilung der Goldvorr√§te, die erst in letzter Zeit einige Korrektur erfahren hat. Augenf√§llig wurde die sogenannte Goldknappheit besonders durch den Wettlauf nach dem Gold, den die zentralen Notenbanken nach ihren verf√ľgbaren Mitteln betreiben, um ihre Goldbest√§nde zu mehren, die Emissionsbasis und ihr Prestige zu st√§rken. Sieht man den Erscheinungen aber auf den Grund, so zeigt sich, dass das Gold keine Schuld trifft, wenn heute das Angebot der Nachfrage nicht mehr gen√ľgt. Die Ursache der Schwierigkeiten liegt tats√§chlich nicht in einem Versagen der Goldproduktion, sondern in der masslosen Ueberspannung der Nachfrage nach Gold. Man verlangt vom Golde Unm√∂gliches, wenn man ihm zumutet, die nachwirkenden S√ľnden der Inflation, die √ľbertriebene Notenausgabe und Krediterweiterung unsch√§dlich zu machen und gleichsam zu legitimieren. Denn es kann den nationalen Zentralnotenbanken selbst durch unabl√§ssige Goldrafferei nicht gelingen, den in die vielen Milliarden aufgebl√§hten Zettelumlauf vollwertig in Gold einl√∂sbar zu machen oder auch nur nach alter Uebung zu einem Drittel zu decken. Daran ist aber nicht das Gold schuld. Einiger kritischer Sinn stellt sich also den Goldmangel wesentlich anders vor als gemeinhin gelehrt und zumeist auch geglaubt wird. Wo, wie in der Schweiz, Kreditexpansion und Inflation sich in bescheidenem Rahmen gehalten haben, sozusagen innerhalb der von der Banktheorie reichlich weitherzig gezogenen Normalgrenzen, da vermag der Hinweis auf angeblichen Goldmangel nicht wankend zu machen. Ebenso wenig Eindruck macht uns die aus √§hnlichen Bef√ľrchtungen ausgegebene Parole vom zu teuren Gold. Diese Parole mag f√ľr finanziell abh√§ngige Staaten gelten, die ihre Abh√§ngigkeit vielleicht auch in ihrer W√§hrung nicht verleugnen k√∂nnen. Die Behauptung jedoch, dass eine gesunde Volkswirtschaft aus Sparsamkeit sich gleichfalls auf alle Zeiten mit Papiergeld bescheiden m√ľsse, ist unhaltbar.

Eine grunds√§tzliche Gegnerschaft endlich spricht dem Gold die Tauglichkeit ab f√ľr die Vorzugsstellung von ehedem. Ganz einseitig schiebt sie ihm die Schuld zu an den Preisspr√ľngen der Kriegs- und Inflationszeiten und bestreitet, dass es weiter als W√§hrungsmetall dienen k√∂nne. Gewiss fehlt dem Gold v√∂llige Wertbest√§ndigkeit; nicht erst heute, sondern nach alter Erfahrung. Wo aber findet sich das f√ľr die Geldfunktion besser geeignete, wertbest√§ndigere Tauschgut? Und ist nicht die Unbest√§ndigkeit des Goldes eine Kleinigkeit im Vergleich mit der Unsicherheit, die allem goldlosen Verkehr eignet?

F√ľr die Schweiz kann sich die k√ľnftige W√§hrungsgestaltung unm√∂glich darin ersch√∂pfen, dem Beispiel anderer Staaten zu folgen, die wegen Ueberschuldung und zu grosser Notenausgabe sich mit goldsparender, ‚Äěbilliger‚Äú W√§hrung begn√ľgen m√ľssen. Nur die erfahrungsm√§ssig vollkommenste W√§hrungseinrichtung kann gen√ľgen, und das ist die wirkliche, ‚Äěreine‚Äú Goldw√§hrung mit ungehinderter Bewegung des Goldes im Inland und √ľber die Grenzen, mit freiem Pr√§gungsrecht und mit jederzeitiger sicherer Einl√∂sung der Noten in Gold. ‚ÄěDer solide Sinn unseres Volkes selbst verlangt klingendes, den Wert in sich verb√ľrgendes Geld. Der Goldumlauf ist der entscheidende, jedermann in die Augen fallende Gegensatz zur Papierw√§hrung und Zettelwirtschaft. Er sichert der W√§hrung das Maximum von Vertrauen im Inland wie im Ausland.‚Äú Uns ist die Forderung der Goldumlaufsw√§hrung zugleich eine Forderung w√§hrungspolitischer Logik und entschiedenen wirtschaftlichen Selbstst√§ndigkeitswillens.

Sicherung der Vertragsfreiheit gegen Zwangsgeld.
Der Plan unseres Geldsystems liegt klar vor uns. Die Gesetzgebung folgt dem Gang der Dinge und anerkennt das Gold als alleiniges Fundament unseres Geldwesens. Auf Gold beziehen sich alle Werte, auf Gold st√ľtzt sich der gesamte Kreditgeldaufbau. Damit w√§re, m√∂chte man meinen, unserem Wirtschaftsverkehr aufs zuverl√§ssigste gedient. Es trifft das zu f√ľr die guten Tage. In Zeiten der Krisis und Not jedoch, gerade dann, wenn man des √∂konomischen R√ľckhalts am dringendsten bedarf, geht der verl√§ssliche Geldverkehr nur zu leicht verloren; nicht durch √§ussere Einwirkung, sondern durch rechtswidrigen, die ordentliche Gesetzgebung umst√ľrzenden staatlichen Zwang. Das zeigt die Erfahrung in aller Welt. W√§hrend vor Zeiten die F√ľrsten und Herren in Bedr√§ngnis, und wohl auch sonst, schlechte M√ľnzen pr√§gten und unter dem alten Namen in den Verkehr hineinschwindelten oder hineinzwangen, greifen die Staaten heute in Notlagen zum papierenen Zwangsgeld, als dem wirksamsten, geschmeidigsten Hilfsmittel. Sogenannte M√ľnzhoheit masst sich alsdann die Befugnis an, die eigene M√ľnzgesetzgebung verleugnend, von heute auf morgen dem Geldwesen das Metallfundament zu entziehen. Kreditgeld wird dem Gold gleichgestellt, als vollwertiger Ersatz proklamiert. Der Staat erkl√§rt Note = Geld, Franken = Franken, Mark = Mark, als w√§re ihm F√§higkeit und Macht gegeben, den Wert des Geldes unabh√§ngig vom metallenen Grundstoff aufrecht zu erhalten. Solange er ehrlich ist, hofft der Staat wohl tats√§chlich selbst, die befohlene Parit√§t werde bestehen bleiben. In der Regel jedoch sind die Verh√§ltnisse st√§rker, und gerade dann, wenn der Zwangskurs die Probe bestehen sollte, versagt er. Er vermag sich dem weitergehenden Verkehr, den neuen K√§ufen und Verk√§ufen nicht aufzuzwingen und kann die Preissteigerung nicht verhindern, in der die tats√§chliche Entwertung der bloss nominell gleichbleibenden Note sich offenbart. Die St√§rke des Zwangskurses zeigt sich einzig in der Verw√ľstung des Geldwesens. Unter der Herrschaft des Zwangskurses kann, wie uns das nahe Ausland eindrucksvoll genug dargetan hat, eine Wirtschaft tats√§chlich vollst√§ndiger zu Grunde gerichtet werden als durch r√ľcksichtsloseste, konfiskatorische Besteuerung, ja als durch kriegerische Verheerung. Der Zwangskurs korrumpiert mit dem Geld selbst alle auf Geld lautenden Verh√§ltnisse, durch F√§lschung der Waage enteignet er die Gl√§ubiger zu Gunsten der Schuldner.

Dabei ist der meist schon √ľberschuldete Staat Hauptgewinner. Vor noch nicht zehn Jahren gab Deutschland das Hauptbeispiel, indem es sich durch die Markzerst√∂rung seiner Schulden aus allen Anleihen so gut wie entledigte. Die staatlichen Schuldverpflichtungen im Inland gingen in ein Nichts auf. Ebenso fiel die Grosszahl der Hypothekardarlehen der Entwertung zum Opfer. Sonst galt der Hypothekenbesitz als besonders sicher gegen jeden Verlust; die Entt√§uschung, die der Zerfall auch dieses bestgarantierten Eigentums brachte, war um so bitterer, als das als Sicherheit dienende Unterpfand in der Regel seinen Wert vollst√§ndig bewahrte, ja in seinen Ertr√§gen sogar meistens noch gewann. Die Sparkassen, Versicherungsgesellschaften und Hypothekarbanken, die ihre Gelder in Hypotheken angelegt hatten, wurden zu Gunsten der Schuldner um alles gebracht. Es war der Sieg falschen staatlichen W√§hrungszwanges √ľber b√ľrgerliches Recht und Vernunft.

Wir m√ľssen nicht bloss die Sicherung und Respektierung von Goldklauseln im Hypothekargebiet verlangen; unsere W√§hrung selbst ist gleichsam mit dauernder Goldklausel zu versehen. Die W√§hrung soll nicht eine Goldw√§hrung sein bloss f√ľr die guten Tage und im Notfall versagen, indem der Staat Papiergeld zum Nennwert aufzwingt. Nicht fremden Beispiel haben wir zu folgen ‚Äď die franz√∂sische Gesetzgebung ist noch einseitiger nominalistisch als die deutsche. Vielmehr erkl√§re man nach eigenem, ehrlichem Muster: Auch im Notfall, dann erst recht, sollen unsere Abmachungen als auf Gold gehend gelten und Banknoten sowie sonstiges Papiergeld mit Annahmezwang nur zum Kurswert, zu seinem wahren Wert im Verh√§ltnis zum Gold angenommen werden m√ľssen.

Dazu bedarf es einer geistigen Umstellung, jedoch kaum einer Verfassungs√§nderung: denn die Verfassung sagt nirgends, dass die in ‚ÄěNotlagen in Kriegszeiten‚Äú m√∂gliche ‚ÄěRechtsverbindlichkeit f√ľr die Annahme von Banknoten und andern gleichartigen Geldzeichen‚Äú die Alterierung der nach dem M√ľnzgesetz auf die Metallbasis sich beziehenden freien Kreditvereinbarungen mit sich bringen m√ľsse; die Verfassung sagt nicht, dass wer eine vereinbarte Bezahlung zu beanspruchen hat, etwas Minderwertiges, als was vereinbart worden, annehmen m√ľsse.

Die Revision der Bundesverfassung ist zwar hin und wieder angeregt worden, jedoch in entgegengesetzter, der ausl√§ndischen Praxis folgenden Richtung, n√§mlich zu Gunsten des dauernden sogenannten gesetzlichen Kurses. In allen wichtigen L√§ndern, mit Ausnahme der Vereinigten Staaten, ist den Banknoten der gesetzliche Kurs, die Unablehnbarkeit, verliehen. Dies schon f√ľr Friedenszeiten, wohl zumeist mit dem mehr oder minder deutlich erkennbaren Zweck, den Uebergang zum Zwangskurs, zur Papierw√§hrung, im Notfall m√∂glichst unbemerkt und ohne Beunruhigung des Publikums vor sich gehen zu lassen. In Deutschland zum Beispiel hat die Regierung schon vor dem Krieg den gesetzlichen Kurs sichtlich als blosse Vorstufe zum Zwangskurs betrachtet, indem sie 1909 die Einl√∂sung der Noten durch deren Zentralisierung auf den Hauptsitz der Reichsbank in Berlin f√ľr das Reich in seiner Gesamtheit praktisch bedeutungslos machte. Der Zwangskurs bestand also schon ann√§hernd, bevor er bei Kriegsausbruch verf√ľgt wurde. Das war ein Teil der finanziellen Kriegsbereitschaft, nicht W√§hrungspolitik zum Wohle der Wirtschaft.

Wo aber der gesetzliche Kurs bloss als wirtschaftliche Massnahme erscheint, zeigt er sich gleichsam als Kr√ľcke der ‚Äěhinkenden‚Äú W√§hrungen heutiger Praxis. Er ist notwendiges Zubeh√∂r und sicheres Kennzeichen der Goldkern-, Goldrand- und Golddevisenw√§hrungen, die vermeinen, sich das Vertrauen mit Zwang schaffen und erhalten zu sollen. Unsere Verfassung sieht mit Recht √ľber die subtile Unterscheidung zwischen den beiden Kursen, dem gesetzlichen Kurs und dem Zwangskurs, hinweg und will den Notbehelf wirklich nur in Notlagen zur Kriegszeit zulassen. Besser w√§re, sie w√ľrde wie fr√ľher jeden staatlichen Zwang grunds√§tzlich und ohne Ausnahme ausschliessen. Der Zwangskurs geh√∂rt nicht zum Begriff echten Geldes, sondern zum gegenteiligen Begriff des unechten, blossen Kredit- und Papiergeldes. Je schlechter dieses Geld, desto sch√§rfer der Zwang. Die Vorteile aber, die der Staat sich durch Zwang verschafft, sind von vor√ľbergehendem, t√§uschendem Wert. Die Erfahrung beweist nicht, dass das h√∂here Interesse des Staates die Preisgabe von Vertragsfreiheit und Vertragstreue verlange, dass der Staat im Falle der Not ohne Zwang, T√§uschung und Falschm√ľnzerei nicht auskommen k√∂nne. Die wahren Interessen des Staates erweisen sich auf die Dauer vielmehr durchaus solidarisch mit denen der Wirtschaft.

Der Verkehr muss frei sein, dasjenige Geld zu ben√ľtzen, das ihm passt. Er muss insbesondere auch frei sein, dieses Geld so genau zu bezeichnen, dass Zweifel und Irrtum sicher fernbleiben. Nachdr√ľcklich auf die Hauptsache weisend, hat unsere fr√ľhere Schrift √ľber ‚ÄěWesen und Lehren der Geldkrisis‚Äú (1920, Heft 16 der Wirtschaftlichen Publikationen) ein die nichtssagenden M√ľnznamen beseitigendes Gewichtsgeld als Ideal hingestellt. Und als n√§chste praktische Massnahme wurde empfohlen, es m√∂chte bei der kommenden Neuordnung unseres Geldwesens daf√ľr gesorgt werden, dass die gesetzlichen Zahlungsmittel neben ihrem M√ľnznamen auch das Gewicht Edelmetall, das sie enthalten, ehrlich in soundsoviel Gramm nennen; ferner sollten alle Schuldurkunden in Zukunft ausser auf den √ľberlieferten M√ľnznamen auch auf Goldgewicht lauten. Was so von der kommenden Gesetzgebung erwartet worden war, hat einsichtige Praxis aus freien St√ľcken bereits teilweise verwirklicht. Des Schicksals des ‚ÄěFrankens‚Äú eingedenk, bezeichnen unsere Banken in langfristigen Darlehensvertr√§gen den von ihnen gemeinten Franken ausdr√ľcklich und genauest mit 0.2903225 Gramm Feingold und stellen somit zur Ausschliessung aller Unbestimmtheit auf das Edelmetall selbst, auf Goldgewicht ab. In naher Zeit wird die Schaffung des einheitlichen Pfandbriefes erwartet. Welche bessere Empfehlung f√ľr alle Welt kann diesem Titel gegeben werden, als eben die heute noch verwehrte Goldgarantie? Im Sachenrecht, im Obligationenrecht, in der ganzen Gesetzgebung soll die gute Ordnung unseres Geldwesens best√§tigt und gest√ľtzt werden.

Die in diesem Abschnitt vertretene Forderungen und Anregungen sind keineswegs von √ľbertriebenen Hoffnungen diktiert. St√∂rungen und Verluste, wie sie durch Krisen und Kriege der Wirtschaft zugef√ľgt werden, lassen sich selbstverst√§ndlich auch durch die sich selbst treue W√§hrungspolitik nicht verhindern, noch weniger ungeschehen machen. Verhindern wird das solide Verhalten jedoch, dass die Sch√§digungen sich masslos steigern, ganze Bev√∂lkerungsschichten ruinieren, alles Vertrauen, jeden Sparsinn ert√∂ten. Gewiss werden auch in Zukunft bei Notlagen viele Verpflichtungen trotz Stundung nur mangelhaft erf√ľllt werden. Die Stellung der Vertragspartner bleibt jedoch die bei Vertragsabschluss frei vereinbarte. Wie die Schwierigkeiten zu √ľberwinden sind, soll im einzelnen Falle die Pr√ľfung der besonderen Verh√§ltnisse ergeben. Keinesfalls aber wird es vorkommen, dass √§ltere Zahlungsverpflichtungen kurzerhand mit einem Bettel gel√∂st werden k√∂nnen, wie das Deutschland beim Zusammenbruch der Mark die Regel gewesen. Ist die Erf√ľllung dem Schuldner unm√∂glich, so bleibt die Verpflichtung bestehen bis zur Zeit, da richtige Zahlung erfolgt, sei es im vollen Betrag, sie es mit Reduktion, wor√ľber freie Vereinbarung oder der Richter in W√ľrdigung der ver√§nderten Verh√§ltnisse befindet. Diese Andeutungen m√ľssen im Rahmen dieser Studie gen√ľgen.

Wir leben heute wieder in politisch ruhigeren Zeiten und hoffen mit Grund, dass die Besserung andaure. Ersch√ľtterungen gibt es jedoch im Wirtschaftleben auch ohne politische Zwischenf√§lle. Inmitten einer noch nie dagewesenen Kredit√ľbertreibung, die Wirklichkeit und Schein oft schwer unterscheiden l√§sst, wird f√ľr unser Land die solideste W√§hrung im bezeichneten Sinne gerade gut genug sein. Daf√ľr aber, dass wir das Ziel v√∂lliger Geldehrlichkeit erreichen, bedarf es allseitigen t√§tigen Interesses. Denn schliesslich hat ‚Äď namentlich in der Demokratie ‚Äď jedes Volk auch das Geldwesen, das es verdient.

Text erfasst und zusammengestellt von Johannes M√ľller, CEO der Echtgeld AG in CH-Giswil sowie Verleger von ‚ÄěFreiheit durch Gold ‚Äď Sklavenaufstand im Weltreich der Papiergeldk√∂nige‚Äú(Prof. Dr. Hans J. Bocker), welches bereits in dritter Auflage und in sechs weiteren Sprachen herausgegeben wurde.

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