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04.06.2013
Heisse Druckerpressen, kühles Gold und kalte Fakten
Teil 3
Autor: Prof. Dr. Hans J. Bocker

Eigenleben ohne Realitätsbezug

Die von den Notenbanken ausgelösten Liquiditätsschwemmen führen jetzt ein hochgefährliches Eigenleben ohne jeden Realitätsbezug. Die Japaner haben sich gerade an die Spitze dieses Wahnwitzes gestellt. Der neue Finanzminister möchte aus der seit über 20 Jahren anhaltenden Stagnations- und Deflationsphase ausbrechen. An jeden Kalendertag wird nun ein Äquivalent von etwa 6 Mrd. € frisch gedruckt. Für 2014 soll dies dann auf 12 Mrd. € an zusätzlicher Liquidität pro Tag steigen. Und jeden Monat will man noch zusätzlich für ca. 70 Mrd. € Äquivalent japanische Staatsanleihen ankaufen. Deren Renditen fallen damit von fast Null auf noch näher an Null. Dagegen nimmt sich der monatliche Ankauf von US-Schatzbriefen im Wert von rund 50 Mrd. $ durch die Fed doch sehr bescheiden aus.

Auch erwarten die Analysten der HSBC für 2013 einen im Vergleich zum Vorjahre zusätzlichen Fluss von Eigenmitteln japanischer Anleger in Richtung ausländische Bondmärkte in Höhe von etwa einer Billion $. Dies freut die Fed & Co. sowie andere Zentralbanken und die dazugehörigen Finanzminister. Die Sorgen wegen der weltweit herrschenden Negativrenditen und der damit verbundenen Gefahr austrocknender Nachfrage nach Dollar- oder Euro-Pfandbriefen, mildern sich schliesslich mit einer satten Billion $ im Bestellbriefkasten deutlich.

Dies alles zeigt, wie die grossen Zentralbanken mit ihrer hemmungslosen Geldvermehrung und ihren endlosen Rettungsversuchen die globalen Kapitalströme verzerren, die sich in gefährlichen Spekulationsblasen, ähnlich übergrossen Finanz-Eiterbeulen, manifestieren. Da fehlt nur noch der unvermeidliche Einstich mit einer Lanzette durch den Notarzt aus der Rettungsambulanz natürlicher Wirtschaftsgesetze. Diese Ambulanz ist bereits unterwegs.

Mit all diesen Rettungs-Aktionen möchte der Top-Japaner endlich mal eine Inflationsrate von 2 % erreichen. Der Yen soll ausserdem im Aussenwert gedrückt werden, um damit die lahmende Exportindustrie anzukurbeln. Früher halfen Innovationen, neue Patente, Konkurrenzfähigkeit und Qualität dem Exportsektor. Heut tut dies nicht mehr die Qualität der Produkte sondern die Qualität der Geldpressen als die ideale Lösung ohne Probleme. Papier und Druckerfarbe kann man sich ja noch leisten. Wieso sind nur alle Krisen der Vergangenheit in allen Ländern nicht auf solch extrem einfache Weise gelöst worden?

Dies alles soll jedenfalls Japan die grosse Rettung bringen. Doch allen Phantasiewelten waren schon immer nur kurze Lebensspannen beschert.
Realwirtschaft und Finanzsektor haben sich in Japan wie auch anderswo in atemberaubender Weise voneinander gelöst. Eine real umgesetzte Geldeinheit wird von zehn- bis hundertfachen Bewegungen im Bereich der Hochfinanz. doch ohne jede Koppelung begleitet.
So berichten Insider hinter vorgehaltener Hand von wachsenden Volumen-Differenzen zwischen Papiergold und realem Handel im durchschnittlichen Verhältnis von 80 zu 1. Im Bereich des Papiersilbers sollen die dortigen Papier-Umsätze den physischen Handel sogar um mehr als das 200-fache übertreffen. Ob derlei Zahlen exakt stimmen, darf bezweifelt werden, doch sind sie sicherlich sehr gross. Genaue Statistiken sind in diesen Schattenfeldern des Mauschelns mit Billionen im Halbdunkel ohnehin nicht zu haben,
Was aber soll das Versteckspiel? Ganz einfach, Man möchte sich keinesfalls in die Karten schauen lassen.

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